Mehr erleben mit guten Taten: In Kopenhagen macht sich bewusstes Reisen bezahlt

  • Ein Museumsticket fürs Fahrradfahren? Ein vegetarisches Mittagessen fürs Müllsammeln? In Kopenhagen ist das möglich:

  • Mit CopenPay verwandelt Dänemarks Hauptstadt vorbildliches Verhalten in bleibende Erlebnisse. 

Das Programm CopenPay, initiiert von der Tourismusorganisation Wonderful Copenhagen, steht für eine der spannendsten Entwicklungen im modernen Städtetourismus: weg vom reinen Konsumfokus, hin zu bewusstem Reisen – bei dem das eigene Handeln Teil der Erfahrung wird.

Wer mit dem Zug anreist, die Stadt mit dem Fahrrad erkundet, an einer Müllsammelaktion teilnimmt oder einfach länger bleibt, erhält bei CopenPay als Gegenleistung kostenfreie oder vergünstigte Angebote. Dazu gehören Museumseintritte, Kajakverleih oder vegetarische Mahlzeiten – kleine Gesten, die zeigen, dass nachhaltiges Verhalten von der Stadt sehr geschätzt wird. Mit dieser Idee möchte Kopenhagen seine Gäste motivieren, bewusster zu handeln – und das auf spielerische, positive Weise. Statt Verboten oder Appellen setzt man auf Belohnung.

Von der ersten Idee zum Vorbild

CopenPay startete im Sommer 2024 als vierwöchiges Pilotprojekt. Die Resonanz übertraf alle Erwartungen: Fahrradvermietungen stiegen um 29 Prozent, und 98 Prozent der Teilnehmenden gaben an, das Programm weiterempfehlen zu wollen.

Angespornt vom Erfolg erweiterte Wonderful Copenhagen 2025 das Projekt deutlich. Die Laufzeit wurde auf neun Wochen (vom 15. Juli bis 11. September) ausgedehnt, und über 90 Attraktionen beteiligten sich an der Initiative. Dabei waren Museen, Restaurants, Kultureinrichtungen und Umweltorganisationen.

Belohnen statt belehren

Das Prinzip von CopenPay ist einfach: Statt mit Verboten oder erhobenem Zeigefinger arbeitet die Initiative mit positiven Erlebnissen. Wer bestimmte Angebote nutzt oder sich an Aktionen beteiligt, wird dafür mit Erlebnissen belohnt.

„Tourismus muss von einer Umweltbelastung zu einer Kraft für positiven Wandel werden.“
Søren Tegen Pedersen
CEO von Wonderful Copenhagen

Hintergrund ist ein bekanntes Dilemma: Laut dem Kantar Sustainability Index 2023 geben 82 Prozent der Menschen an, nachhaltiger handeln zu wollen – tatsächlich tun es aber nur 22 Prozent. Genau hier setzt CopenPay an: durch niederschwellige, motivierende Anreize, die gute Absichten in echtes Verhalten übersetzen. Viele der teilnehmenden Attraktionen arbeiten mit einer Vertrauenskultur: Es reicht, ein Zugticket oder ein Foto von einem Fahrrad zu zeigen, um an den Vorteilen teilhaben zu können.

Ein Projekt zieht grüne Kreise

CopenPay gilt bereits jetzt als Modell für andere Städte, die Tourismus nicht länger als Belastung, sondern als Bereicherung begreifen. Das Programm schafft eine innovative Verbindung zwischen Tourismuswirtschaft und Nachhaltigkeit, zwischen Einheimischen und Reisenden: Erlebnisse werden nicht mehr nur verkauft, sondern „verdient“.

Gleichzeitig bleibt die Frage, wie sich der Effekt über die Aktionswochen hinaus verstetigen lässt. Kritiker:innen sehen die Gefahr reiner Symbolik. Die Zahlen aus dem Pilotprojekt und die wachsende Zahl teilnehmender Betriebe zeigen jedoch, dass CopenPay bei Gästen und Partnern auf Resonanz stößt.

Chancen:

  • Innovative Verbindung von Erlebnis­wirtschaft und Nachhaltigkeit: Erlebnisse werden nicht nur verkauft, sondern „verdient“.

  • Vorbild­funktion: CopenPay gilt als Modell für andere Städte, die Tourismus nicht als Belastung, sondern als Bereicherung sehen möchten und die Interessen von Gästen und Einheimischen verbinden.

  • Messbare Wirkung: Der Ausbau und Erfolg des Programms zeigen, dass die angebotenen Anreize genutzt wurden.

Herausforderungen:

  • Wirkung über die Aktions­wochen hinaus sichern: Es gilt, nachhaltige Verhaltens­änderung dauerhaft zu etablieren.

  • Skalierung und Ressourcen: Mehr Partnerschaften, mehr Aktionen – das braucht koordinierte Finanzierung und Verbind­lichkeit.

Fakten über Kopenhagen:

  • Einwohner: 602.000
  • Räder: 750.000 (viermal so viel wie PKW!)
  • Pendler:innen: 62 Prozent fahren mit dem Rad zur Arbeit
  • Infrastruktur: 382 km Radfahrwege
  • Hotels: Die Mehrzahl der Hotels in der Stadt ist öko-zertifiziert
  • Leitungswasser: Sauber und trinkbar
  • Kanäle: Sauber genug fürs Schwimmen
  • Elektrizität: Mehr als 70 Prozent des Stroms stammen aus erneuerbaren Energien
  • Fernwärme: Beruht hauptsächlich auf Biomasse

Kopenhagen verfügt über 397 km Radwege im Stadtgebiet. 

Die dänische Hauptstadt betreibt fünf elektrische Hafenbusse im öffentlichen Wasserverkehr.

2022 trugen 58 Prozent der Hotels ein Umweltzeichen wie Green Key, ISO oder Nordic Swan; rund 68 Prozent der Hotelzimmer befanden sich in entsprechend ausgezeichneten Betrieben.

Etwa 45 % der Einwohner:innen Kopenhagens waren 2023 täglich mit dem Fahrrad unterwegs – im Durchschnitt flossen jährlich 84 Mio. DKK in die Radförderung. 

 

Wonderful Copenhagen

Der Stadthafen durchlief in den letzten 25 Jahren eine große Transformation: Heute gibt es zehn offizielle Badezonen und man kann dort mindestens 350 Tage im Jahr baden. 

Dänemark erzeugte 2023 bereits 63 % seines Stroms aus Solar- und Windenergie. 

Etwa 98 % aller Haushalte in Kopenhagen sind ans Fernwärmenetz angeschlossen. 

Nach Angaben von Wonderful Copenhagen kommt diese Form der Kühlung in über 8.000 Hotelzimmern zum Einsatz und kann dort den CO₂-Ausstoß gegenüber herkömmlichen Klimaanlagen um bis zu 70 Prozent reduzieren.

Dänemark verzeichnet den weltweit höchsten Pro-Kopf-Verbrauch bei Biokost; drei von vier Dän:innen kaufen wöchentlich Bio-Lebensmittel. 

Autorin: Ines Visintainer

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