Mamas Käse für die Luxusgastronomie

  • Gotthard Rainer bewirtschaftet den Infanglhof im Schnalstal und macht mit der Direktvermarktung von Käse, Speck und Wurstspezialitäten gute Erfahrungen. Sein Vorzeigeprodukt: Mamenbert.
  • Nahezu die Hälfte des Umsatzes macht er mittlerweile mit der Gastronomie und Hotellerie, den Großteil davon über eine Genossenschaft.
  • Das sagt der Bergbauer: „Die Genossenschaft gibt uns Sicherheit, minimiert das Risiko, und neue Kunden werden über einen Produktkatalog auf uns aufmerksam.“

Infangl – das bedeutet so viel wie eingezäuntes Gut, und so heißt der Bergbauernhof, den Gotthard Rainer 2017 von seinen Eltern Stefania und Erich übernommen und auf Direktvermarktung von Käse, Speck und Wurstspezialitäten umgestellt hat. Sieben bis neun Kühe, fünf Melkschafe und ein paar Schweine genießen auf dem Infanglhof auf 1430 Metern im Schnalser Pfossental neben Hund und Katz‘ ihr Dasein.

Schon vor der Hofübernahme hatte Gotthard einen neuen Laufstall samt Stadel gebaut. Die Idee, Käse herzustellen, bot sich an: Mama Stefania hatte früher die Mitterkaseralm im Pfossental gepachtet, dort die Milch ihrer Kühe veredelt und diese Arbeit im Winter in kleinerem Umfang auf dem Hof weitergeführt. Die Voraussetzungen waren also gegeben. Gotthard lernte das „Kasn“ und baute sich so ein neues Standbein auf.

Mittlerweile übernimmt seine Partnerin Katja den Großteil der Käseherstellung. Das Sortiment ist längst gewachsen. Die verschiedenen Berg- und Schnittkäse sowie Weichkäse, zum Teil mit Kräutern vom Hof verfeinert, werden aktuell von einem Vorzeigeprodukt überragt. Der Mamenbert, ein milder Weißschimmelkäse, wurde im Juli vom Südtiroler Bauernbund zum Produkt des Jahres gekürt. Die Auszeichnung wird jährlich dem besten Qualitätsprodukt der Marke Roter Hahn verliehen.

Gastronomie als verlässlicher Partner

Viele Jahre hat Gotthard – „nebenbei“, wie er sagt – in Vollzeit als Förster gearbeitet. Seit der Geburt der Zwillinge Laura und Linda ist er in Teilzeit angestellt. „Mehr wäre nicht mehr möglich“, sagt er, denn die Familie bewirtschaftet zusätzlich gepachtete Wiesen und den Oberjuvalhof gemeinsam mit den Eltern von Katja. Außerdem vermarktet Gotthard neben Käse auch Speck und Wurstspezialitäten direkt, sprich im Hofladen, in einigen Feinkostläden, auf einzelnen Marktveranstaltungen und immer mehr online.

Rund die Hälfte der Produkte nimmt aber die Gastronomie ab. „Das läuft besser, als wir es uns erwartet haben“, bestätigt Gotthard. Gleich nach der Hofübernahme erhielt er das Angebot, mit der Hogast, einer Einkaufsgenossenschaft für Gastronomie und Hotellerie, zusammenzuarbeiten. „Wir haben es versucht, weil uns die Mitgliedschaft nichts gekostet hat“, erinnert sich der Bauer. Schon nach kurzer Zeit entpuppte sich die Entscheidung als goldrichtig. Den Großteil des Käses erhalten die Gastbetriebe mittlerweile über die Schiene der Hogast, nur ein kleiner Teil des Geschäfts wird direkt mit Hotels abgewickelt.

Die Genossenschaft bietet dem Infanglhof eine gewisse Sicherheit, seine Spezialitäten in der erforderlichen Menge absetzen zu können. Das unternehmerische Risiko sei dadurch minimiert, dass bei Nichtzahlung einer Rechnung die Genossenschaft einspringt. Nicht zuletzt werden die Kunden über einen eigenen Katalog auf das Angebot aufmerksam.

Den Mamenbert und die anderen Käsesorten schätzen insbesondere die 4- und 5-Sterne-Hotels, weil sich dieser Weißschimmelkäse trotz der äußeren Ähnlichkeit im Geschmack und durch die etwas festere Konsistenz vom klassischen Camembert unterscheidet. Der geheimnisvolle Name des Käses ist übrigens eine Wortkombination aus „Camembert“ und „Mama“. Längst sei auch Katja eine Mama mit einem guten Händchen für Käse. Ein solches braucht es, um die Qualität der Produkte zu halten und damit den Anforderungen des Roten Hahns zu entsprechen. Der Mamenbert macht seinem Namen jedenfalls alle Ehre.

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