Warum der Tschögglberg auf zertifizierte Nachhaltigkeit setzt
Petra Unterholzner ist Nachhaltigkeitsbeauftragte des Tschögglbergs. In dieser Funktion begleitet sie die Destination Tschögglberg auf ihrem Weg zu mehr ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Verantwortung. Seit 2025 ist der Tschögglberg nach den Kriterien des Global Sustainable Tourism Council (GSTC) zertifiziert und trägt damit auch das Nachhaltigkeitslabel Südtirol, Level 3. Die Zertifizierung macht sichtbar, was in der Region seit Langem gelebt wird: ein bewusster Umgang mit Natur, Ressourcen und Gemeinschaft – getragen von Gemeinden, Betrieben und Bevölkerung.
Liegt dir das Thema Nachhaltigkeit persönlich besonders am Herzen?
Ja, auf jeden Fall. Seit ich einen kleinen Sohn habe, noch mehr. Man denkt weiter und möchte den nächsten Generationen eine intakte Umwelt und eine lebenswerte Welt hinterlassen. Nachhaltigkeit betrifft aber nicht nur ökologische Themen, sondern auch Kultur, regionale Wertschöpfung und soziale Aspekte. All das gehört dazu, wenn man wirklich enkeltauglich sein möchte.
Wie kam es dazu, dass sich die drei Tourismusvereine am Tschögglberg gemeinsam auf den Weg zur GSTC-Zertifizierung gemacht haben?
Am Tschögglberg arbeiten die drei Tourismusvereine eng zusammen: Hafling-Vöran-Meran 2000, Mölten und Jenesien. Wir sind ein sehr homogener Lebensraum, wir leben auf demselben Bergrücken und haben schon immer viele Projekte gemeinsam umgesetzt. Erste Überlegungen zur Zertifizierung gab es 2023, im Frühjahr 2024 sind wir konkret gestartet. Pro Tourismusverein gab es eine Ansprechperson, koordiniert wurde der Prozess vom Ökoinstitut. Nach dem Audit im Dezember 2024 kam im Februar 2025 die Bestätigung – inklusive Südtirol-Label, Stufe 3.
Was bedeutet die GSTC-Zertifizierung für den Tschögglberg – strategisch und langfristig?
Sie stärkt unsere Positionierung als nachhaltige Destination und bringt internationale Anerkennung. Gleichzeitig haben wir nichts grundlegend Neues erfunden. Viele unserer Projekte waren schon vorher sehr zukunftsorientiert. Der Zertifizierungsprozess hat uns aber klare Leitlinien gegeben. Wenn wir heute neue Projekte entwickeln, können wir auf eine Strategie aufbauen, die bereits vor vielen Jahren weitsichtig angelegt wurde. Das erleichtert es uns, weiterhin vorausschauend zu planen und unseren Lebensraum zukunftsfähig mitzugestalten.
Welche Aspekte des Prozesses waren für dich besonders prägend?
Ganz klar die Zusammenarbeit. Mit Gemeinden, Betrieben, Vereinen – wir denken heute weniger in einzelnen Zuständigkeiten und stärker als gemeinsame Destination. Dieses Wir-Gefühl wurde durch den Prozess deutlich gestärkt.
Wie stark waren Gemeinden, Betriebe und Vereine eingebunden?
Sehr stark. Es ist eine Herausforderung, gerade zu Beginn zu erklären, was Nachhaltigkeit konkret bedeutet. Aber das Interesse war groß. Die Gemeinde Jenesien ist zum Beispiel auf dem Weg zur Klimagemeinde Gold, dort ist das Thema bereits tief verankert. Dieses Bewusstsein hat sich Schritt für Schritt auf den gesamten Tschögglberg ausgeweitet.
Der Haflinger gilt als Symbol der Region. Welche Rolle spielt er heute?
Der Haflinger verbindet: Der Haflinger wird seit jeher auf dem Tschögglberg gehalten, seine Zucht und Verbreitung ist hier stark verwurzelt. Bei Festen, Umzügen oder Veranstaltungen ist er präsent. Es gibt viele Reitställe, Führungen und Erlebniswege rund um den Haflinger. Viele Gäste kommen gezielt, um die Tiere zu sehen – etwa auf Meran 2000 oder bei den Stoanernen Mandln. In einer Gästeumfrage haben rund 96 Prozent angegeben, dass sie das Haflinger Pferd kennen.
Wie wird der Naturraum geschützt und gleichzeitig erlebbar gemacht?
Ein aktuelles Projekt widmet sich dem Thema Wasser. Unter dem Titel „Wasser – ein kostbares Gut“ informieren Aufsteller in Unterkünften über die hohe Qualität unseres Leitungswassers. Trinkwasserbrunnen wurden gekennzeichnet, in refill.bz.it integriert und die Bergbahnen Meran 2000 haben acht neue Brunnen installiert. Zudem gab es Vorträge zu Wassersparadaptern, mit denen sich bis zu 60 Prozent Wasser und Energie einsparen lassen – die Resonanz war sehr positiv.
Welche Rolle spielen lokale Kreisläufe?
Eine große. Mit dem Projekt „Tschögglberg lokal“ vernetzen wir Landwirte und Gastronomiebetriebe. Über eine einfache WhatsApp-Gruppe werden Produkte angeboten und direkt bezogen. So bleiben Wertschöpfung und Produkte in der Region – unkompliziert und alltagstauglich. In Zukunft möchten wir das Projekt noch weiter ausbauen.
Wie reagieren die Gäste auf die Zertifizierung?
Sehr positiv. Unsere Gästeumfragen im Sommer und Winter zeigen, dass Zertifizierungen immer bekannter werden. Gäste achten stärker darauf, wie Betriebe mit der lokalen Bevölkerung zusammenarbeiten, wie regional sie wirtschaften und welche Alternativen – etwa beim Essen – angeboten werden.
Siehst du darin auch einen Wettbewerbsvorteil?
Ja, besonders bei jüngeren Gästen. Sie vergleichen sehr genau und Nachhaltigkeit ist oft ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl der Unterkunft.
Kann die Zertifizierung auch Betriebe motivieren, selbst aktiv zu werden?
Auf jeden Fall. Eine Zertifizierung ist zunächst eine ehrliche Standortbestimmung: Wie viel Energie, Wasser und Ressourcen verbrauche ich? Allein diese Fragen bringen viele ins Nachdenken. Oft ergeben sich daraus ganz konkrete Schritte – von Photovoltaik bis Regenwassernutzung.
Wie geht es am Tschögglberg nun weiter?
Wir stehen klar für sanften Tourismus und werden diesen Weg konsequent weitergehen. Sensibilisierung bleibt eine zentrale Aufgabe – für Gäste, Betriebe und die Bevölkerung gleichermaßen.
Interview: Silvia Oberrauch