Im Garten des Hotel Hohenwart in Meran wächst vieles – aber nichts ist dem Zufall überlassen. Was hier blüht, folgt einem Plan: ökologisch durchdacht, klimatisch angepasst und über Jahrzehnte weiterentwickelt. Das milde Klima im Meraner Becken erlaubt eine außergewöhnliche Vielfalt. „Wir haben einen sehr vielfältigen Garten, sowohl mit heimischen als auch mit mediterranen Pflanzen“, sagt Christine Mair-Laimer vom Hotel Hohenwart, das in dritter Generation von der Familie Mair geführt wird. „Wichtig ist uns vor allem die Blühperiode – dass das ganze Jahr über etwas blüht.“ Tulpen und Zwiebelpflanzen im Frühjahr, Rosen im Sommer, Astern und Herbstblüher im Spätherbst. Selbst im Winter sorgen immergrüne Gehölze und großblättrige Magnolien für Struktur. „Es soll immer schön anzuschauen sein.“
Biodiversität mit Geschichte
Der Garten ist über Jahrzehnte gewachsen. Seit 1957 gibt es das Hotel, schon die Elterngeneration legte Wert auf Vielfalt – auch wenn Begriffe wie Biodiversität damals noch nicht gebräuchlich waren. „Man hat vielleicht nicht von Nachhaltigkeit gesprochen, aber man wusste, dass alles zusammenhängt.“ Rosen spielten dabei immer schon eine besondere Rolle. „Schon meine Mutter hat Rosen gepflegt“, erzählt Christine. Heute werden sie nicht nur als Zierpflanzen kultiviert, sondern bewusst genutzt: für Dekoration, für Rosensäckchen, für Stempelmassagen und Fußbäder im Spa. Gepflanzt werden offene, autochthone und pilzresistente Sorten, um möglichst wenig Pflanzenschutz einsetzen zu müssen. „Offen blühende Rosen sind für Bestäuber wie Bienen und Hummeln besonders wertvoll, weil die Pollen leicht erreichbar sind“, weiß Christine.
Standort und Wasser neu denken
Was sich in den letzten Jahren deutlich verändert hat, sind die klimatischen Bedingungen. Hitzeperioden und Wasserknappheit fordern neue Lösungen. „Die Standortfrage ist ein wichtiges Thema geworden“, sagt Christine. „Und natürlich die Bewässerung.“
Im Hohenwart wird seit Langem mit Tropfbewässerung gearbeitet – bodennah, automatisch und ausschließlich nachts, um Verdunstung zu minimieren. Regenwasser wird in einem eigenen Sammelbecken gespeichert und für die Bewässerung genutzt, auch wenn es allein nicht immer ausreicht. Deshalb setzt der Betrieb zunehmend auf trockenresistente Pflanzen wie Lavendel, Rosmarin oder Olive.
Auch bei der Pflege wird umsichtig gearbeitet. „Wir halten die Pflanzen so in Schuss, dass wir nicht viel spritzen müssen.“ Geschnitten wird traditionell nach dem Mond – eine Praxis, die über Generationen weitergegeben wurde.
Bewusst mit invasiven Arten umgehen
Ein weiteres Thema, das in den letzten Jahren stärker ins Bewusstsein gerückt ist, sind invasive Pflanzen. „Natürlich haben wir viele Palmen – ‚Schnee und Palmen‘ war ja lange Merans Werbespruch“, sagt Christine. Die großen, historischen Exemplare bleiben aus kulturellen Gründen erhalten. Doch Neuaustriebe oder problematische Arten wie der Portugal-Lorbeer werden konsequent entfernt. „Wir entfernen, was neu wächst und invasiv ist“, sagt Christine.
Dächer, Parkplätze, Duftwiesen
Biodiversität endet im Hohenwart nicht am Beetrand. Insgesamt sieben Dachflächen sind begrünt – teils extensiv, teils intensiv genutzt. Manche Dächer dienen als Spielplatz oder Liegewiese, andere tragen ein Schwimmbad oder einen Kneipp-Parcours. „Im Hohenwart summt und zwitschert es nicht nur im Garten, sondern auch auf den Dächern.“ Die Begrünungen verbessern Dämmung und Kühlung, einige Flächen kommen ganz ohne Bewässerung aus.
Auch die Parkplätze hinter dem Stammhaus wurden als grüne, beschattete Flächen gestaltet – keine versiegelten Hitzeinseln, sondern Teil des ökologischen Gesamtkonzepts.
Vertikale Begrünungen mit Jasmin, Efeu und Duftpflanzen erweitern die Lebensräume zusätzlich. Duftwiesen mit Lavendel und Rosmarin verbinden ökologische Funktion mit sinnlicher Erfahrung.
Garden-to-Hotel: Kreisläufe sichtbar machen
Ein biodiverser Garten gewinnt an Bedeutung, wenn er genutzt wird. Lavendel wird zu Duftsäckchen verarbeitet – in jedem Kleiderschrank liegt eines. Minze und Rosmarin landen im Cocktail, Salbei im Frühstückstee, Kräuter in der Küche. Schnittblumen stammen aus dem eigenen Garten. „Wir setzten Pflanzen, die man auch verwenden kann“, fasst Christine zusammen.
Sensibilisierung als wichtiger Pfeiler
Der direkte Austausch mit den Gästen ist ein zentraler Bestandteil der Kommunikation: „Viele Gäste sind selbst Gartenliebhaber, fragen nach Pflanzen oder Pflege“, erklärt Christine.
Ergänzend wird das Thema systematisch kommuniziert: über eine eigene Gartenseite auf der Website, über Social Media und über regelmäßige „Schon gewusst?“-Snippets in der Morgenpost. Dort erfahren Gäste etwa, dass ihre Spa-Behandlung mit Rosen aus dem Garten verfeinert wird oder dass die Dächer als Lebensräume fungieren.
Nimm diese drei Learnings mit:
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