Nachhaltigkeit ist längst kein Zusatz mehr, sondern strategischer Erfolgsfaktor. Im TourisMUT-Webinar erhielten über 70 Teilnehmer:innen einen fundierten Überblick über anerkannte Zertifizierungen auf dem Weg zum Nachhaltigkeitslabel Südtirol®. Klar wurde: Es geht nicht um Symbolik, sondern um Struktur, Glaubwürdigkeit und messbare Weiterentwicklung.
Das Nachhaltigkeitslabel Südtirol® – Rahmen, Ziel und Systematik
Manuela Summerer von IDM Südtirol stellte das übergeordnete Nachhaltigkeitsprogramm vor, in das das Label eingebettet ist. Es zahlt auf die Ziele des Klimaplans 2040 sowie des LTEK 2030+ ein und verfolgt eine klare Vision: Südtirol als begehrtesten nachhaltigen Lebensraum Europas zu positionieren.
Das Nachhaltigkeitslabel Südtirol kann dabei stufenweise auf Basis der GSTC-Kriterien erreicht werden:
TourCert – strukturierter Einstieg für kleine und mittlere Betriebe
Lisa Pierstorf gab vertiefende Einblicke in TourCert. Die gemeinnützige Organisation ist seit 2009 aktiv, international anerkannt und zählt über 1.000 Mitglieder in rund 30 Ländern.
TourCert basiert auf vier Grundprinzipien:
TourCert Qualified entspricht Level 1 des Nachhaltigkeitslabels Südtirol® und ist damit ideal für kleinere Betriebe oder tourismusnahe Unternehmen, die strukturiert einsteigen möchten.
HGV – Begleitung mit Praxisfokus
Für Reinhard Leitner ist Nachhaltigkeit ein zentrales Zukunftsthema von Future Hospitality neben Human Relations und Innovation.
Das HGV- und Terra-Beratungspaket unterstützt Betriebe auf Level 1 und 2 und bereitet bei Bedarf auch auf Level 3 vor.
Das Modell ist modular aufgebaut, individuell oder in Peergroups mit rund sechs Betrieben organisiert und dauert ein bis zwei Monate bis zur Antragstellung.
Inhalte des Basispakets:
Die Erfahrung aus 27 Peergroups mit rund 150 Betrieben zeigt: Der strukturierte Austausch beschleunigt Prozesse und schafft Verbindlichkeit[C.
Green Destinations und Good Travel Seal – Nachhaltigkeit wird sichtbar
Noah Pircher stellte Green Destinations als weltweit größtes Netzwerk für nachhaltige Destinationen und Unternehmen vor. Grundlage sind die GSTC-Kriterien und die UN-Nachhaltigkeitsziele.
Mit dem Good Travel Seal wird Nachhaltigkeit nicht nur entwickelt und zertifiziert, sondern aktiv sichtbar gemacht.
Drei Stufen
Nach Abschluss erhalten Betriebe ein Zertifikat, eine detaillierte Scorecard in zehn Themenbereichen sowie konkrete Marketing-Sichtbarkeit.
Ein zentraler Mehrwert: Bereits ab Level 1 erfolgt eine Kennzeichnung bei Booking.com und eine stärkere Darstellung bei Google. Das externe Online-Audit sorgt zusätzlich für Glaubwürdigkeit. Besonders für KMU bietet dieses Modell eine realistische und sichtbare Einstiegsmöglichkeit.
Treibhausgasbilanz – vom Pflichtprogramm zum Management-Tool
Ulrich Prechsl von IDM Südtirol stellte den gemeinsam mit KlimaHaus entwickelten THG-Rechner vor.
Sein zentraler Punkt: Die Treibhausgasbilanz ist kein Selbstzweck, sondern Startpunkt für eine realistische Reduktions-Roadmap.
Warum spricht man von THG und nicht nur von CO2?
Weil neben CO2 weitere Gase erheblich zum Klimawandel beitragen. Eine seriöse Betrachtung muss ganzheitlich erfolgen.
Der Rechner deckt aktuell Scope 1 und Scope 2 ab:
Der Ablauf ist klar strukturiert: Einführungsgespräch, Datenerhebung, Berechnung, Bericht und Ergebnispräsentation mit nächsten Schritten.
Damit wird die Bilanz zur fundierten Entscheidungsgrundlage für Investitionen und Prioritäte.
Fazit für dich als Betrieb oder Destination
Die vorgestellten Modelle zeigen unterschiedliche Wege, verfolgen jedoch ein gemeinsames Ziel: Struktur schaffen, Wirkung messen, Entwicklung sichtbar machen.
Du möchtest mehr über die einzelnen Zertifizierungen wissen? Hier findest du die Aufzeichnung des Webinars und alle weiterführenden Unterlagen.