Wie Regeln freundlich wirken können: Statt Gäste mit Verbotsschildern zu belehren, setzen immer mehr Destinationen auf einladende Kommunikation.
Wie Ranger:innen zu Naturbotschafter:innen werden: Persönliche Ansprache vor Ort oder über Social Media verwandelt Gäste in Mitgestaltende für den Schutz von Landschaften.
Das Destinationsmarketing touristisch attraktiver Destinationen und vielbesuchter Orte steht täglich vor der Aufgabe, Besucherströme zu lenken, sensible Naturräume zu schützen sowie nachhaltige Angebote zu entwickeln – aber auch die Gäste zu informieren, zu sensibilisieren und, ja, manchmal auch auf korrektes Verhalten hinzuweisen. Wer allerdings ausschließlich auf Verbotsschilder und starre Regeln setzt, gewinnt selten Sympathien. Viel wirkungsvoller ist eine Kommunikation, die einlädt statt abschreckt und Natur und Besucher:innen als Partner versteht. Wer statt rein optischer Warn- und Verbotsschilder zusätzlich auf kreative Kommunikationsformen und neue Medien setzt, erhöht seine Chancen, mit seinen Botschaften gehört zu werden.
Wie das gelingen kann, zeigt die Region Oeschinensee besonders eindrücklich. Der Oeschinensee liegt oberhalb von Kandersteg im Berner Oberland. Die Region ist Teil des UNESCO‑Welterbes Schweizer Alpen Jungfrau‑Aletsch und zieht jährlich zehntausende Besucher:innen an. Wegen des hohen Besucherandrangs wurde 2025 ein Reservierungssystem für die Gondelbahn eingeführt, um den Besucherfluss zu steuern. Wer hier unterwegs ist, merkt schnell: Die Natur spricht– und Ranger:innen, die vor Ort begleiten und informieren, helfen ihr dabei.
An immer mehr touristischen Hotspots schauen Ranger:innen nach dem Rechten – am Oeschinensee im Kanton Bern seit 2021. Meist sind sie Quereinsteiger:innen, die einen berufsbegleitenden, einjährigen Lehrgang absolviert haben. Für den Job braucht es ein breites Wissen über die Natur, aber auch kommunikative Stärke und eine authentische Persönlichkeit.
Statt mit erhobenem Zeigefinger Regeln zu verkünden, setzt das Tourismusmarketing auf ein Konzept, das in der Branche immer mehr an Bedeutung gewinnt: kommunizieren statt kommandieren. Denn Naturbesucher:innen sind längst nicht mehr reine Konsument:innen! Sie suchen Erlebnisse, Verbundenheit, Authentizität – und sie reagieren sensibel auf Tonalität. Eine Regel, die freundlich erklärt wird, wirkt heute stärker als ein Schild mit großem roten Verbotssymbol.
Die Region Oeschinensee setzt in ihrer Kommunikation konsequent auf einen einladenden, erklärenden und partnerschaftlichen Ton. Statt allein auf Verbote oder starre Regeln zu bauen, vermittelt sie Verhaltenshinweise, eingebettet in Naturwissen, Sicherheitsaspekte und echte Begegnungen. Besucher:innen sollen verstehen, warum bestimmte Regeln gelten – nicht nur, dass sie gelten.
Als ein Beispiel für gelungene Kommunikation und Gästeansprache kommt „Danny, the Ranger” ins Spiel: Er gilt als Best-Practice-Beispiel dafür, wie mit viel Fachwissen, Humor und Bodenständigkeit den Gästen vor Ort – aber insbesondere über soziale Medien wie Instagram und TikTok – vermittelt werden kann, wie sie sich sicher und naturverträglich bewegen. Dani zeigt, dass authentische Kommunikation stärker überzeugt als jedes Schild – und dass ein freundlicher Ranger oft mehr bewirkt als eine ganze Reihe an Verboten.
Warum positive Kommunikation besser funktioniert:
1. Menschen folgen lieber Menschen als Schildern. Direkter oder gefühlt persönlicher Kontakt – live oder über soziale Netzwerke – sowie eine sympathisch formulierte Botschaft schaffen Beziehung.
2. Positive Sprache erzeugt Kooperation. „Bitte bleiben Sie auf dem Weg, damit seltene Pflanzen weiter wachsen können“ wirkt völlig anders als „Betreten verboten!“. Der Fokus verschiebt sich von „Du darfst nicht“ zu „Wir schützen gemeinsam“.
3. Emotion schlägt Zwang. Humor, Geschichten und Einblicke in die lokale Natur wecken Empathie. Und Empathie führt zu verantwortungsvollem Verhalten – ganz ohne Druck oder das – den meisten Menschen doch recht unangenehme – Gefühl, belehrt zu werden.
4. Besucher:innen werden Teil der Lösung. Wenn eine Region Besucher:innen als Mitgestaltende anspricht statt als potenzielle Störenfriede, entsteht ein Gefühl der Verbundenheit – und sie werden nicht selten selbst zu Botschafter:innen der Region.
Folge Danny, the Ranger, auf Tiktok oder Instagram. Tag: oeschinensee
Sympathische Ranger:innen als Naturbotschafter:innen: Auf welchen Gedanken bringt dich dieses Good-Practice-Beispiel der Besucherkommunikation? Teile deine Meinung mit unserer Community!