Wanderleiter führen Gruppe auf einer Wanderung durch den Wald

Fachwissen & Fingerspitzengefühl: Was fähige Erlebnisbegleiter:innen auszeichnet

  • Mit Erlebnisbegleiter:innen sind Personen gemeint, die Gästen einen näheren Einblick in eine bestimmte Thematik gewähren. Dies können zum Beispiel sein: Genussbotschafter:innen, Bikeguides, Apfelsommeliers, Natur- und Landschaftsführer:innen, Wanderleiter:innen und so weiter.
  • Welche Rolle Zertifizierungen spielen und warum Qualität nicht allein am Ausbildungsnachweis gemessen werden kann.
  • Gefragte Kompetenzen: Von Ortskenntnis über Sicherheit am Berg bis hin zu Kommunikation und Gruppendynamik.
  • Warum authentische Begegnungen entscheidend für ein nachhaltiges Gästeerlebnis sind.

Erlebnisbegleiter:innen haben einen umfassenden Auftrag: Sie zeigen Gästen den Weg, vermitteln aber auch Geschichte(n), schaffen Begegnungen und machen eine Region authentisch erlebbar. Ob beim Wandern, Radfahren, Skifahren oder Genießen: Sie prägen maßgeblich den Eindruck mit, den Gäste von einer Destination mit nach Hause nehmen.

Doch wodurch entsteht eigentlich Qualität in ihrer Arbeit? Reicht ein Zertifikat aus? Oder sind es vielmehr Persönlichkeit, Erfahrung und Ortskenntnis, die den Unterschied machen?

Eine fundierte Ausbildung schafft die Basis

Lukas Varesco, Geschäftsführer des Ferienregion Südtirols Süden und selbst zertifizierter Wanderführer, ist überzeugt: Eine fundierte Ausbildung bildet die Grundlage für qualitativ hochwertige und sichere Führungen. Sie vermittelt nicht nur Fachwissen, sondern auch Verantwortungsbewusstsein und den professionellen Umgang mit unterschiedlichsten Situationen

„Ein guter Wanderleiter muss seine Region inhaltlich kennen, mit Menschen umgehen können und Verantwortung übernehmen. Dabei braucht es ein Gespür für Wetter, Gelände, Gruppendynamik und unvorhergesehene Situationen. Genau diese Kompetenzen werden in einer fundierten Ausbildung vermittelt.“
Lukas Varesco, Geschäftsführer Südtirols Süden & zertifizierter Wanderführer | © TG Südtirols Süden/Thomas Monsorno
Lukas Varesco
Geschäftsführer Tourismusverband Südtirols Süden und zertifizierter Wanderführer

Zwischen Qualitätsanspruch & Realität

Die Praxis zeigt, dass sich der Bedarf an Erlebnisbegleitern nicht immer ausschließlich mit zertifizierten Fachkräften decken lässt. Besonders bei Wanderangeboten entsteht dabei ein Spannungsfeld: Zwar ist die Berufsbezeichnung Wanderführer/Wanderleiter geschützt, die Tätigkeit jedoch nicht. Das bedeutet, dass die Tätigkeit grundsätzlich auch von Personen ohne diese Ausbildung ausgeübt werden kann.

Die Diskussion darüber ist nicht neu. Die Landesberufskammer der Berg- und Skiführer Südtirol, die auch das Sonderverzeichnis der Wanderleiter führt, setzt sich seit Jahren für eine gesetzliche Anerkennung der Tätigkeit als Wanderführer ein. Eine entsprechende Regelung gibt es bislang jedoch nicht.

Wo zertifizierte Wanderleiter zur Verfügung stehen, bieten sie für Betriebe und Gäste ein hohes Maß an Qualität, Sicherheit und Verlässlichkeit. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass bei der Auswahl von Erlebnisbegleitern auch die tatsächlichen Kompetenzen entscheidend sind, ob aus einer Führung ein hochwertiges Erlebnis wird.

Qualität zeigt sich in vielen Kompetenzen

Was einen guten Erlebnisbegleiter ausmacht, lässt sich einfach zusammenfassen: Es ist das Zusammenspiel verschiedener fachlicher, sozialer und persönlicher Kompetenzen.

Dazu gehören unter anderem:

  • fundierte Fach- und Ortskenntnisse,
  • ein sicheres Gespür für Wetter, Gelände und aktuelle Bedingungen,
  • Verantwortungsbewusstsein sowie Kenntnisse in Erster Hilfe,
  • Kommunikationsstärke und Freude am Umgang mit Menschen,
  • Einfühlungsvermögen und ein gutes Gespür für Gruppendynamiken,
  • die Fähigkeit, Wissen verständlich und spannend zu vermitteln,
  • sowie die Begeisterung, die eigene Heimat authentisch erlebbar zu machen.
„Wir setzen bei unseren Angeboten auf zertifiziertes Guide-Personal, weil wir das Glück haben, solche Personen in unserem Netzwerk zu finden. Entscheidend ist für uns, dass unsere Guides ihre Heimat kennen, Gäste begeistern und ihnen ein authentisches Erlebnis bieten können.“
Walter Teutsch
Hotel Teutschhaus (Kurtinig an der Weinstraße)

Ausbildung und Persönlichkeit gehören zusammen

Die Diskussion zeigt, dass eine fundierte Ausbildung die beste Grundlage für qualitativ hochwertige Erlebnisse bleibt. Gleichzeitig entsteht Qualität nicht allein durch einen Ausbildungsnachweis.

Für Destinationen und Betriebe bedeutet das bei der Auswahl von Erlebnisbegleitern der Blick auf das gesamte Kompetenzprofil. Fachwissen, Erfahrung, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, Menschen zu begeistern, sind entscheidend dafür, ob aus einer Führung ein echtes Erlebnis wird. Denn Gäste erinnern sich an die Begegnungen und Momente, die ihnen eine Region näher gebracht haben

Learnings:

  • Qualität entsteht durch das Zusammenspiel von Ausbildung, Erfahrung und Persönlichkeit.
  • Ein guter Erlebnisbegleiter braucht mehr als Fachwissen: Kommunikation, Empathie und Verantwortungsbewusstsein sind entscheidend.
  • Formale Qualifikationen sind ein wichtiger Baustein, aber nicht das einzige Qualitätsmerkmal.
  • Praxiswissen und Ortskenntnis machen Erlebnisse authentisch und sicher.
  • Begeisterte Menschen begeistern Menschen.

Wie stehst du und dein Betrieb zu diesem Thema? Welche Kompetenzen sind aus deiner Sicht entscheidend? Diskutiere mit der Community und teile deine Erfahrungen in den Kommentaren.

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