Chaichana Sinthuaree ist Interim-Manager und Transformationsexperte. Als ehemaliger CEO einer großen Agentur sowie Digitalchef in einem traditionsreichen Unternehmen begleitet er Organisationen dabei, Wandel aktiv zu gestalten und neue Wege umzusetzen. Im Interview mit Wolfgang Töchterle spricht er über Transformation und warum Disruption kein Schlagwort für Krisenzeiten ist, sondern eine Führungsaufgabe.
Seine zentrale Botschaft: Wandel lässt sich nicht kontrollieren, aber aktiv gestalten. „Man kann Disruption quasi nicht beherrschen, sondern man muss sich immer anpassen.“ Für Tourismusorganisationen, Destinationen und Gastgeber ist das hochrelevant. Denn gerade erfolgreiche Systeme laufen Gefahr, sich zu sehr auf das zu verlassen, was lange funktioniert hat. Doch was gestern Stabilität brachte, kann morgen zum Bremsklotz werden.
KI braucht Mut zum Ausprobieren
Besonders deutlich wird das beim Thema Künstliche Intelligenz. Chai plädiert hier nicht für Abwarten, sondern für mutiges Testen, Lernen und Anwenden. Die Zyklen seien so kurz geworden, dass langes Zögern schnell zum Wettbewerbsnachteil führt. Gleichzeitig scheitert Wandel selten nur an fehlender Technologie. Viel häufiger liegt die Hürde in der Kultur: Führungskräfte wünschen sich Innovation, schaffen aber nicht immer die nötigen Freiräume, Budgets und Entscheidungsbefugnisse. Mitarbeitende wiederum bringen Ideen nur dann ein, wenn sie den konkreten Nutzen für ihren Alltag sehen. Transformation funktioniert deshalb nicht per Ansage, sondern über Beteiligung, Klarheit und kleine, relevante Projekte. Chai beschreibt das sehr anschaulich: Führung müsse den Rahmen definieren, aber die Teams sollten das Bild darin selbst gestalten.
Transformation gelingt im Alltag, nicht auf dem Papier
Gerade für die TourisMUT-Community steckt darin ein wichtiger Impuls: Wer Zukunft gestalten will, muss Wandel in überschaubare Schritte übersetzen. Nicht die große Masterstrategie bringt Bewegung, sondern konkrete Anwendungsfälle im täglichen Arbeiten – etwa in Kommunikation, Gästeservice, Produktentwicklung oder interner Zusammenarbeit. Wenn Teams erleben, dass neue Tools Abläufe verbessern, entstehen Akzeptanz und Energie. Wo Know-how fehlt, braucht es Begleitung statt bloßer Erwartung. Externe Expertise kann helfen, Prozesse aufzubauen, Menschen zu befähigen und Neues im Betrieb zu verankern. Entscheidend ist am Ende jedoch die Haltung der Führung. „Du kannst Wandel nicht per Order befehlen“, sagt Chai. Wer andere für Transformation gewinnen will, muss selbst bereit sein, Sicherheiten loszulassen, Verantwortung zu teilen und Neues wirklich zuzulassen. Genau darin liegt für den Tourismus eine große Chance: nicht nur schneller oder digitaler zu werden, sondern anpassungsfähiger, lernender und damit zukunftsfähig.
3 Learnings für die Community
Wandel beginnt nicht mit Tools, sondern mit Haltung: Erfolgreiche Systeme müssen lernen, ihren eigenen Erfolg immer wieder zu hinterfragen.
KI sollte im Tourismus jetzt praktisch getestet werden: mit kleinen Anwendungsfällen, klaren Zielen und echter Verantwortung in den Teams.
Transformation gelingt nur gemeinsam: Führung gibt Orientierung und Freiraum, Mitarbeitende gestalten die Umsetzung im Alltag.