Gemeinsam auf Mission | © valgardena.it  / Werner Dejori

Die Dolomites Ranger: Vermittler zwischen Menschen, Natur und Regeln

  • Warum die Dolomites Ranger im Grödnertal ins Leben gerufen wurden.
  • Welche Aufgaben die Ranger zwischen Gästen, Natur und Behörden übernehmen
  • Wie Besucherlenkung über Information statt Strafen funktionieren kann.
  • Warum der richtige Umgangston entscheidend ist.
  • Welche Herausforderungen die Ranger in ihrem Alltag erleben.
  • Weshalb das Modell als wichtige Unterstützung für sensible Naturräume gilt.

Ob an beliebten Aussichtspunkten, auf Parkplätzen oder entlang viel besuchter Wanderwege: Die Dolomites Ranger sind dort unterwegs, wo viele Menschen aufeinandertreffen. Seit Sommer 2025 informieren sie Gäste im Grödnertal über Verhaltensregeln, geben Orientierung und sensibilisieren für den respektvollen Umgang mit Natur und Lebensraum. Entstanden ist das Projekt aus der Beobachtung, dass vielen Besucher:innen heute das Wissen darüber fehlt, wie man sich im sensiblen Raum Berg bewegt.

Vor drei Jahren kam erstmals ein Ranger am Dolomitenpass Grödnerjoch zum Einsatz. Seine Aufgabe war es vor allem, die Besucher:innen für den Lebensraum Berg zu sensibilisieren. Dabei richtete sich sein Fokus vor allem auf Wildcampende, Falschparkende und unerfahrene Bergbesucher:innen. Schnell zeigte sich jedoch, dass der Bedarf über einzelne Einsatzorte hinausgeht.

„Deshalb haben wir das Ranger-Team schrittweise auf vier Personen erweitert“, erklärt Christina Demetz, die Direktorin des Tourismusverbands Dolomites Val Gardena. Heute sind die Dolomites Ranger an mehreren stark frequentierten Orten im Grödnertal wie etwa die Seceda unterwegs – auch in den Abendstunden. Organisiert und koordiniert wird das Projekt vom Tourismusverband gemeinsam mit den Tourismusvereinen Grödens.

„Viele Gäste sind froh über Orientierung an einem Ort, den sie nicht kennen.“
Reinhard Schmalzl, der erste Dolomites Ranger in Gröden | © valgardena.it  / Werner Dejori
Reinhard Schmalzl
Dolomites Ranger

Information, Sensibilisierung & Prävention

„Strafen ausstellen tun andere“, sagt Reinhard Schmalzl, Dolomites Ranger der ersten Stunde. Gemeint ist die Gemeindepolizei. Die Aufgabe der Dolomites Ranger liegt hingegen darin, Menschen aufzuklären, Orientierung zu geben und Bewusstsein zu schaffen. Dabei arbeiten die Ranger eng mit unterschiedlichen Institutionen zusammen – darunter die Forstbehörde, das Amt für Naturpark, die Gemeindepolizei, Aiut Alpin und die Tourismusvereine. Genau an dieser Schnittstelle entsteht ihre besondere Rolle: Sie vermitteln zwischen Gästen, Einheimischen und dem sensiblen Lebensraum Berg. Auch Rückmeldungen aus dem Gelände geben die Ranger an die zuständigen Stellen weiter. Damit etwa die Beschilderung optimiert werden kann.

Ein Tag als Dolomites Ranger

„I bin a Grödner, i kenn mi do aus…“, bringt es der Dolomites Ranger der ersten Stunde Reinhard Schmalzl auf den Punkt. Zwischen Juni und September sind die Ranger an den Einsatzorten mit E-Bike oder zu Fuß unterwegs. Sie sind da, wenn ihnen was auffällt, wenn jemand Hilfe braucht, wenn jemand eine Information benötigt. Die Dolomites Ranger wissen am besten, was zu tun ist. Denn sie kennen das Gebiet, mehrere Sprachen, können Erste Hilfe leisten und Infos zu den Naturparks geben. „Es geht darum, wie man Menschen anspricht und argumentiert“, erklärt Reinhard. Wer freundlich und respektvoll kommuniziert, werde deutlich eher gehört. „Um einen Besucher dazu zu bringen, einen Parkplatz zu verlassen, der keiner ist, frage ich einfach, ob die Person das Parkverbot-Schild übersehen hat. Meistens wissen die Menschen dann, was zu tun ist. Nämlich weiter zu fahren.“

Wenn Begegnungen eskalieren

Neben vielen positiven Begegnungen erleben die Ranger auch schwierige Momente. Vor allem dann, wenn Menschen Regeln bewusst ignorieren oder aggressiv reagieren. „Zum Glück bin ich pensionierter Carabiniere“, sagt Reinhard. Konflikt- und Gewaltmanagement seien ihm deshalb nicht fremd. Dieses Wissen half ihm auch in Situationen, in denen Diskussionen eskalierten – etwa als ihm ein Busfahrer nach einem Hinweis auf ein Halteverbot einen Faustschlag verpasste. Solche Vorfälle bleiben jedoch die Ausnahme. Viel häufiger erleben die Ranger Verständnis und Dankbarkeit.

Warum das Modell funktioniert

„In meiner täglichen Arbeit erlebe ich vor allem Dankbarkeit“, erzählt Reinhard. Viele Gäste sind froh über Orientierung an einem Ort, den sie nicht kennen. Gleichzeitig schätzen auch Einheimische die Präsenz der Ranger, weil dadurch das Gefühl entsteht, dass auf den Lebensraum geachtet wird.

Mittlerweile decken die Dolomites Ranger die wichtigsten Bereiche ab. Eine weitere Ausweitung ist derzeit zwar nicht geplant, doch Reinhard ist sich sicher, dass das Modell eine wichtige Aufgabe erfüllt. Denn Besucherlenkung funktioniert langfristig vor allem über eine wohlwollende Kommunikation, Präsenz und gegenseitigen Respekt.

Learnings:

  • Besucherlenkung funktioniert langfristig über Aufklärung und Präsenz anstatt über reine Verbote.
  • Der richtige Umgangston entscheidet oft darüber, ob Menschen Regeln akzeptieren.
  • Sensible Naturräume brauchen Ansprechpartner:innen vor Ort, die Orientierung und Unterstützung bieten.
  • Gute Zusammenarbeit zwischen Tourismus, Behörden und lokalen Akteur:innen stärkt den respektvollen Umgang mit dem Lebensraum Berg.

Wie realistisch sind aus deiner Sicht Initiativen wie die Dolomites Ranger auch in anderen Regionen? Braucht es mehr Aufklärung und Präsenz vor Ort, damit respektvoller Tourismus funktionieren kann? Teile deine Meinung gerne in den Kommentaren.

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Verhaltensempfehlungen, die unterhalten: Ranger Danny vom Oeschinensee macht’s vor
Wie Regeln freundlich wirken können: Statt Gäste mit Verbotsschildern zu belehren, setzen immer mehr Destinationen auf einladende Kommunikation. Wie Ranger:innen zu Naturbotschafter:innen werden, zeigt dieses Good Practice aus der Schweiz.
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