Wenn Zusammenarbeit Wurzeln schlägt

Wenn Zusammenarbeit Wurzeln schlägt

  • Gemeinschaftsgärten entstehen dort, wo Landwirtschaft, Gastronomie und Hotellerie gemeinsam Verantwortung für regionale Versorgung übernehmen – von der Planung bis zur Ernte.
  • Sie schaffen verlässliche Kreisläufe, stärken lokale Betriebe und machen Saisonalität für Gäste sichtbar und erlebbar.
  • Beispiele wie „TauFrisch“ im Ahrntal und der „Bergler Acker“ in Tiers am Rosengarten zeigen, wie solche Modelle konkret funktionieren und was durch Zusammenarbeit möglich wird.

Was als Idee für mehr Vielfalt begann, ist heute ein Beispiel für gelebte Zusammenarbeit. Im Ahrntal war es der Wunsch, eine bislang wenig genutzte Fläche bunter und blumenreicher zu gestalten – ganz im Sinne der Biodiversität. Der Gedanke, Insekten zu schützen, entwickelte sich weiter zu einem Gemeinschaftsgarten, der heute eine beeindruckende Vielfalt hervorbringt. Über 300 verschiedene Gemüsearten, von Klassikern bis hin zu alten, regionaltypischen und seltenen Sorten werden im Rahmen des Projektes „TauFrisch“ hier angebaut. Die Ernte wird an zahlreiche Tauferer Gastbetriebe geliefert.

Wie in Tiers der Gemeinschaftsacker entstand

In Tiers hingegen entstand die Idee aus einem ganz konkreten Bedarf heraus. „Tiers hat keine Gemüseproduzentinnen und -produzenten, die größere Mengen anbauen“, erzählt Katharina Pichler vom Hotel Paradies. „Irgendwann mussten wir es eben selbst anpacken.“ Die Versorgungslücke wurde zum Ausgangspunkt für eine Lösung, die heute mehrere Betriebe verbindet: Fünf Hotels, ein Restaurant und eine Almhütte bauen seit 2024 gemeinsam Gemüse an. Der „Bergler Acker“ ist heute Teil des Netzwerks alma, das lokale Wirtschaftskreisläufe in der Dolomitenregion Seiser Alm stärken will.

„Am Anfang haben wir den Bedarf erhoben und jeder Betrieb hat angegeben, was er verlässlich verwenden kann.“
Edith Rauchegger
Messnerhof

Hinter dem Stall des Messnerhofs, der am Gemeinschaftsprojekt „Bergler Acker“ beteiligt ist, wachsen verschiedene Kohl- und Salatsorten, Rote Bete, Wurzelgemüse, Radieschen, Gurken, Zucchini, Bohnen, Mangold und Kartoffeln. Der Anbau ist abgestimmt auf die Küchen der Betriebe, die Organisation so pragmatisch wie durchdacht. Zu Jahresbeginn wird gemeinsam entschieden, was angebaut wird – auf Basis dessen, was die Betriebe tatsächlich benötigen und verarbeiten können. „Am Anfang haben wir den Bedarf erhoben und jeder Betrieb hat angegeben, was er verlässlich verwenden kann“, sagt Edith Rauchegger vom Messnerhof. Auf dieser Grundlage entsteht das Anbauprogramm. Ein ausgebildeter Gärtner kümmert sich um den Acker, unterstützt wird er von den beteiligten Betrieben, wenn Arbeit anfällt. „Wenn nötig, helfen wir alle mit“, erzählt Edith.

Ein Umdenken, das bei der Küche beginnt

In den Küchen der teilnehmenden Betriebe im Ahrntal und in Tiers fand ein klares Umdenken statt: Nicht die Küche gibt den Takt vor, sondern das Feld. Das bedeutet, mit dem zu arbeiten, was gerade verfügbar ist. „Im Winter gibt es keine Tomaten im gemischten Salat“, erklärt Edith. „Die haben dann einfach nicht Saison. Da sind wir konsequent.“ Gleichzeitig erfordert das auch ein Umdenken im Team und in der Kommunikation mit den Gästen.

Was dabei entsteht, geht über die reine Versorgung hinaus. Der Gemeinschaftsgarten wird zum Treffpunkt. Beim Jäten, Ernten oder bei der gemeinsamen Kartoffelernte entstehen Gespräche, werden Erfahrungen ausgetauscht, wachsen Ideen weiter. „Nach der Ernte sitzen wir bei der Marende zusammen, ratschen, tauschen uns aus“, erzählt Katharina. „Das ist ein kleines Fest.“ Zusammenarbeit wird hier nicht nur organisiert, sondern gelebt.

Ähnliche Ansätze zeigen sich auch im Ahrntal, wo mit „Taufrisch“ ein größer angelegtes Modell entstanden ist. Beide Projekte verbindet eine gemeinsame Haltung: die Überzeugung, dass regionale Kreisläufe nur dann funktionieren, wenn alle Beteiligten Verantwortung übernehmen.

Nimm diese drei Learnings mit:

  • Gemeinsam planen, gemeinsam tragen. Erfolgreiche Gemeinschaftsgärten basieren auf klaren Absprachen: Der Bedarf der Betriebe wird früh erhoben, der Anbau darauf abgestimmt und Verantwortung bewusst geteilt.
  • Kochen mit dem, was wächst. Wer mit dem arbeitet, was gerade wächst, kocht konsequent regional. Das stärkt die Glaubwürdigkeit, erfordert aber auch ein Umdenken in der Küche. Eine klare Kommunikation gegenüber den Gästen ist ebenso wichtig.
  • Ein Ort, der verbindet. Gemeinschaftsgärten sind nicht nur Orte, an denen etwas produziert wird, sondern auch Räume für den Austausch. Gemeinsame Arbeit verbindet und macht aus einzelnen Betrieben eine funktionierende Gemeinschaft.

Gibt es in deiner Destination ähnliche Ideen oder Ansätze? Was ist deiner Meinung nach notwendig, dass diese Gemeinschaftsgärten entstehen?  Teile deine Gedanken gerne in den Kommentaren.

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