Kann künstliche Intelligenz Overtourismus entschärfen?
Kann ein Chatbot Lebensqualität schützen?
San Vigilio Dolomites antwortet darauf mit einer Innovation, dem Chatbot GIGGO: Eines der weltweit ersten wertebasierten KI-Projekte, das Nachhaltigkeit, Besucherlenkung und kulturellen Respekt verbindet. Gemeinsam mit dem Südtiroler Startup touristinfo.ai entstand kein datengetriebenes Massentool mit vagen, möglicherweise generischen Antworten, sondern ein innovativer Assistent mit Mehrwert. Ohne Registrierung, Werbung oder Datenweitergabe. Denn Datenschutz ist Teil der Projekt-Charta.
Das macht den Chatbot so besonders
GIGGO ist kein gewöhnlicher digitaler Concierge. Er ist ein werteorientierter Assistent, der Informationen liefert und gleichzeitig zu respektvollem Verhalten inspiriert. Der virtuelle Assistent beantwortet Fragen zu Wanderungen, Veranstaltungen, Mobilität, Öffnungszeiten, Parkplätzen oder aktuellen Bedingungen in der Destination. Wie ein digitales Tourismusbüro in der Hosentasche ist er rund um die Uhr und in über 80 Sprachen verfügbar. Seine eigentliche Stärke liegt nicht in der Technik, sondern in der konzeptionellen Tiefe: Bei jeder Antwort erhalten User zusätzlich zu den Infos auch kontextbezogene Hinweise zu Sicherheit, nachhaltiger Mobilität oder respektvollem Verhalten im Natur- und Kulturraum. Die Funktion basiert auf internationalen Nachhaltigkeitsstandards wie den Kriterien des Global Sustainable Tourism Council (GSTC) und den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs). Im Mittelpunkt stehen dabei der Schutz sensibler Naturräume und ein klimabewusstes Reiseverhalten, zentrale Prinzipien der zertifizierten Destinationsentwicklung.
So wurde er entwickelt
„Bereits in der Projektphase wurde großer Wert auf wissenschaftliche Begleitung gelegt, um eine fundierte Basis zu schaffen“, erklärt Carlo Runggaldier. Die Entwicklung erfolgte von Beginn an in engem Austausch mit renommierten Forschungseinrichtungen, darunter die Freie Universität Bozen mit Prof. Matthias Fuchs und Prof. Massimo Morellato, die Universität Trient mit Prof. Federica Buffa sowie die Universität Bangor (Wales) mit Prof. Linda Osti. Für die technische Seite zeichnen sich die Gründer von touristinfo.ai Julian Palmarin und Sebastian Petz verantwortlich. Durch das Zusammenbringen verschiedener Disziplinen – Destinationserfahrung, technologische Expertise und wissenschaftliche Analyse – konnte dieses leistungsstarke Produkt erst entstehen.
100 Prozent geprüfte Daten
Das System greift ausschließlich auf Inhalte zurück, die von den Destinationen selbst eingespeist und validiert werden. Dadurch erhalten Gäste punktgenaue, verlässliche Informationen wie etwa zu Touren, Mobilität, Öffnungszeiten oder Parkplätzen. Fragt ein User nach einer Wanderempfehlung, erhält er nicht nur eine Route, sondern auch Hinweise zu Wetter, Sicherheit und Naturverantwortung: „Für heute Nachmittag empfiehlt sich eine kürzere Wanderung vom Dorf Richtung Pederü und zurück. Achte bitte auf gutes Schuhwerk, der Weg ist stellenweise holprig. Und nimm einen kleinen Müllbeutel mit, damit alles, was du mitbringst, auch wieder sicher zurückkehrt.“
Smarte Besucherlenkung
„Mit dem GIGGO informieren wir Menschen, die in unserer Destination unterwegs sind, sensibilisieren sie gleichzeitig und gehen schlussendlich aktiv gegen Überlastung vor“, fasst Carlo zusammen. Bei stark frequentierten Hotspots schlägt der Chatbot Alternativen vor, empfiehlt öffentliche Verkehrsmittel, weist auf sensible Naturräume hin oder erklärt Hintergründe zu Schutzgebieten. So wird Besucherlenkung mehr zum Service denn zur Einschränkung. Gleichzeitig wird FOAM – die Fear of Missing Out – reduziert und Gästen vermittelt, dass nicht das berühmteste Ziel, sondern das passende Erlebnis zählt. Rückmeldungen von Usern im Chatbot beweisen jetzt schon, dass sie Alternativen zu überlaufenen Orten schätzen.
Wohin soll die Reise gehen?
Seit Projektbeginn vor etwa einem Jahr liefern um die 20.000 anonym gestellten Fragen wertvolle Erkenntnisse über Nachfrage, Stoßzeiten und Informationslücken. Diese Daten helfen den Destinationen, Angebote gezielter zu planen und nachhaltiger zu steuern. Immer mehr Destinationen, aber auch Stakeholder wie etwa das Amt für Natur, schließen sich dem Netzwerk an mit der gemeinsamen Vision: ein wertebasiertes Informationsökosystem für das ganze Land. Entwickelt nicht von einem multinationalen Konzern, sondern von lokalen Akteuren mit globalem Anspruch. GIGGO zeigt, dass kleine Destinationen Innovation nicht importieren müssen, denn sie können sie selbst definieren. Und damit beweisen: „Die Zukunft des Tourismus liegt nicht im Mehr, sondern im Besser.“ Davon ist Projektinhaber Carlo überzeugt.
Learnings:
Was hältst du vom Chatbot GIGGO? Bist du daran interessiert, ihn auch für deine Unterkunft oder die Destination zu verwenden, für die du arbeitest? Teile deine Meinung gerne in den Kommentaren.
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