Eine Idee, die aus der Not entstand
Die Idee kam 2023 auf, und zwar aus einem ganz praktischen Grund: Rund um DAS GERSTL Alpine Retreat am Watles sind Parkplätze knapp. Gleichzeitig haben einige Mitarbeitende kein eigenes Auto, und frühmorgens fahren oft noch keine öffentlichen Verkehrsmittel. „Eine Zeit lang sah es fast so aus, als müssten wir unsere Zimmerfeen morgens um 6 Uhr selbst in Burgeis abholen“, erinnert sich Gastgeberin Marion Gerstl schmunzelnd. Die Lösung waren Fahrgemeinschaften im Team, für die es fortan Bonuspunkte gab.
Aus den Fahrgemeinschaften entwickelte sich bald mehr: Wer auf dem Weg zur Arbeit ohnehin an einem Bauernhof vorbeifährt, kann beispielsweise gleich das Gemüse für die Hotelküche mitnehmen. Auch dafür können Mitarbeitende seither Punkte sammeln. „Wir haben nach Lösungen gesucht und sie schließlich dort gefunden, wo wir zuerst gar nicht gesucht hatten: bei unserem eigenen Team. Oft braucht es keine großen Investitionen, sondern nur die Bereitschaft, Gewohntes anders zu organisieren“, so Marion Gerstl.
Kleine Taten, attraktive Belohnungen
Neben Fahrgemeinschaften und der Mitnahme regionaler Produkte gibt es viele weitere Möglichkeiten, Punkte zu sammeln. Wer mit dem E-Bike zur Arbeit kommt oder auf dem Weg Besorgungen bei der Post oder Apotheke erledigt, wird belohnt. Darüber hinaus honoriert das Hotel soziales Engagement: etwa wenn Mitarbeitende kurzfristig für Kolleginnen und Kollegen einspringen, neue Teammitglieder als sogenannte Buddys begleiten oder umsetzbare Verbesserungsvorschläge einbringen. Selbst ein namentliches Lob von Gästen bringt Credits.
Einlösen lassen sich die gesammelten Punkte beispielsweise für Tankgutscheine, eine Massage im Spa, einen Day-Spa-Aufenthalt mit Frühstück oder eine Übernachtung in einem der beiden Hotels. Auch Saisonkarten für Ski- und Wandergebiete gehören zu den Prämien.
So funktioniert es
Ganz reibungslos verlief der Start nicht. Das System war neu, die Handhabung der Credits musste erst eingespielt werden. Doch spätestens als die ersten Mitarbeitenden ihre Punkte gegen Prämien eintauschten, wuchs die Begeisterung. Heute sind die Gerstl Credits fester Bestandteil des Arbeitsalltags im DAS GERSTL Alpine Retreat am Watles und im DAS GERSTL Family Retreat am Reschensee.
„Am Anfang mussten wir selbst erst herausfinden, wie das System am besten funktioniert. Entscheidend war, dass unsere Mitarbeitenden gemerkt haben: Ihr Einsatz wird gesehen und auch konkret belohnt“, erklärt die Gastgeberin. Damit ein solches Anreizsystem im Alltag funktioniert, muss es unkompliziert sein.
Für die Verwaltung der Gerstl Credits setzt das Hotel auf das digitale Tool Planilo. Mitarbeitende tragen ihre Leistungen selbst ein, etwa eine Fahrgemeinschaft oder die Mitnahme regionaler Produkte. Die jeweilige Abteilungsleitung prüft die Einträge und gibt sie frei oder lehnt sie ab. Wie viele Punkte vergeben werden, hängt vom Einsatz ab: Für eine Mitfahrgelegenheit gibt es beispielsweise ein bis drei Credits, für das kurzfristige Einspringen bei Krankheit zehn bis 15. Beim Warentransport zählen Art der Ware und Entfernung. Bereits ab 75 Credits winkt eine Massage im Venosta SPA, für 1.000 Credits gibt es eine Saisonkarte der Südtirol Skiarena. So bleibt das Bonussystem transparent und für alle nachvollziehbar.
Regional einkaufen – und clever transportieren
Besonders interessant ist das Modell im Zusammenhang mit der hauseigenen r30-Philosophie. Sie steht für Produkte, die aus einem Umkreis von maximal 30 Kilometern Luftlinie stammen. Lukas Gerstl wählt gemeinsam mit dem Küchenteam die Produzenten persönlich aus. Die regionalen Lebensmittel sind für Gäste auf der Speisekarte gekennzeichnet. Die Philosophie reicht sogar bis in den Wellnessbereich, wo beispielsweise Äpfel aus dem Vinschgau für Peelings verwendet werden.
Das Bonussystem ergänzt diese Philosophie um einen logistischen Aspekt. Denn gerade für kleine landwirtschaftliche Betriebe kann die Belieferung von Hotels eine Herausforderung sein. Wenn Mitarbeitende Produkte auf ohnehin geplanten Arbeitswegen mitnehmen, können zusätzliche Lieferfahrten entfallen. Das erleichtert die Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten und kann Verkehrsaufkommen und Ressourcenverbrauch reduzieren.
„Über 90 Prozent unserer Mitarbeitenden beteiligen sich an den Gerstl Credits. Eingebunden sind all unsere r30-Produzent:innen aus der Umgebung“, freut sich Marion Gerstl. Damit zeigt DAS GERSTL, wie aus vielen kleinen Beiträgen der Mitarbeitenden eine Lösung entstehen kann, die dem Betrieb, den regionalen Produzenten und nicht zuletzt dem Team selbst zugutekommt.
Nimm diese drei Learnings mit: