Am Unteregger-Hof in Vals entsteht aus Ziegenmilch feiner Käse und aus Molke Naturkosmetik. Ein Gespräch mit dem findigen Landwirt Manuel Zingerle.
Manuel Zingerle hat im Februar 2023 den Hof seines Vaters übernommen, wo er schon vorher in der Käserei tätig war. Seit 2018 produziert der Unteregger-Hof nicht nur Ziegenkäse, sondern auch Kosmetik aus der Molke, die bei der Produktion des Käses anfällt. Denn dass die Molke, ein sehr gesundes und wertvolles Lebensmittel, nicht weiterverwendet wird, damit wollte sich der ehrgeizige Jungbauer nicht abfinden. Also wurde er erfinderisch – mit Erfolg.
Herr Zingerle, der Unteregger-Hof stellt nicht nur Ziegenkäse her, sondern auch Kosmetik. Wie kamen Sie auf die Idee, Pflegeprodukte herzustellen?
Das war ein langer Weg, muss ich sagen. Mein Vater hat schon vor über 10 Jahren den ganzen Betrieb auf Ziegen umgestellt. Ich habe ihn dabei unterstützt und die Ausbildung zur Molkereifachkraft und noch einen Meisterkurs gemacht und so begonnen, den Käse herzustellen, das war 2009. Was mich gestört hat von Anfang an: Aus zehn Litern Milch entsteht ein Kilo Käse und neun Liter Molke bleiben übrig. Da muss man was tun können, um die zu verwerten, dachte ich mir. Also habe ich angefangen, zu experimentieren und auch ungewöhnliche Wege eingeschlagen.
Was haben Sie alles versucht?
Anfangs haben wir Ricotta hergestellt, aber der Energieaufwand ist sehr hoch und die Ausbeute sehr niedrig. Aus einem Liter Molke bekommt man ein, zwei Esslöffel des Frischkäses. Dann haben wir Molkegetränke hergestellt, mit Früchten und Holunderblüten. Die waren sehr gut, aber es gab keine Nachfrage. In Italien ist Molke nicht sehr bekannt. Dann haben wir mit IDM zusammen eine Sportlernahrung entwickelt. Aber auch die war zu teuer in der Produktion. Ich habe sogar bei Hotels angerufen, bei wirklich allen hier in der Gegend, ob sie ihren Gästen nicht Molkebäder anbieten möchten. Nichts, kein Bedarf.
Und dann?
Dann bin ich durch Gespräche auf die Idee gekommen, kosmetische Produkte herzustellen. Also habe ich recherchiert und bin endlich weitergekommen mit meiner Idee. Wir haben in München einen Kosmetikhersteller gefunden, anfangs haben wir mit dem zusammengearbeitet. Aber der Transport der Molke war zu kompliziert und jetzt produzieren wir in Ziano di Fiemme.
Sie haben also nicht lockergelassen. Warum?
Weil Molke ein so tolles Produkt ist, es ist schade, wenn man sie nicht weiterverarbeitet. Sie enthält hochwertige Proteine und wichtige wasserlösliche Vitamine und vor allem Milchsäure, die den Säureschutzmantel der Haut reguliert. Die Milchsäure kann ähnlich wie die Hyaluronsäure sehr gut Wasser binden. Daher eignen sich Produkte mit Molke besonders gut für trockene Haut. Unsere Produkte haben einen nachfettenden Effekt und sind sehr gut verträglich für Menschen mit Hautproblemen. Wir haben die Rückmeldung bekommen, dass vor allem die Bodylotion bei Juckreiz, Neurodermitis und Schuppenflechte sehr gut hilft. Das freut mich sehr, muss ich sagen.
Aus welchen Produkten besteht die Kosmetiklinie?
Sie besteht aus Shampoo, Bodylotion, Duschgel, Hand- und Gesichtscreme sowie Sonnenschutzcreme und Aftersun-Pflege. Alle Produkte sind so natürlich und verträglich wie möglich, es ist kein ätherisches Öl darin enthalten, weil es Allergien auslösen kann.t
Wo bekommt man die Produkte?
In ausgewählten Geschäften, in Hotels und Onlineshops. Der Verkauf ist sehr zeitintensiv. Es läuft gut und wir wachsen, aber es geht langsam. Aber es gibt auch spannende neue Kooperationen …
Welche?
Wir waren auf einer Messe in München, zusammen mit IDM, da kamen wir in Kontakt mit einem deutschen Fachgroßhandel für Podologie, Fußpflege und Kosmetik. Wir entwickeln zusammen eine Fußcreme, ein vielversprechendes Projekt.