Wein & Rad: Was Südtirol vom Weinviertel lernen kann | © Ulrike Pfeifhofer

Wein & Rad: Was Südtirol vom Weinviertel lernen kann

  • Studienreise ins Weinviertel als Praxisvergleich für die Südtiroler Weinstraße.
  • Die Weinviertel DAC-Radroute als Beispiel für ein klar strukturiertes, hochwertiges Produkt
  • Zentrale Erfolgsfaktoren: Qualität, klare Themenführung und professionelle Vermarktung.
  • Bedeutung von Kooperation und frühzeitiger Einbindung aller regionalen Akteur:innen.
  • Authentizität und persönliche Begegnungen als Schlüssel für ein starkes Gästeerlebnis.
  • Konkrete Learnings für die Weiterentwicklung von Weinrad-Routen in Südtirol.

Wie schafft man es, Weinkultur, Landschaft und Radsport zu einem Erlebnis zu verbinden, das Gäste begeistert und gleichzeitig regionale Wertschöpfung schafft? Genau dieser Frage widmete sich eine von IDM Südtirol und Verein Südtiroler Weinstraße initiierte und organisierte Studienreise ins niederösterreichische Weinviertel im Mai 2026. Vertreter:innen der Tourismusorganisationen entlang der Südtiroler Weinstraße, Gemeinden, Fachpartner:innen aus dem Önotourismus, der Verein Südtiroler Weinstraße, IDM Südtirol, der Verein Bikeguides Südtirol (Bike & Wine Ambassador) sowie die Firma Kyklos, die für die Produktentwicklung beauftragt wurde, nutzten die Gelegenheit, ein erfolgreiches Praxisbeispiel direkt vor Ort kennenzulernen.

Im Mittelpunkt stand die Weinviertel DAC-Radroute rund um Retz (NÖ), um Inspiration und konkrete Erfahrungen für die Entwicklung der geplanten Weinrad-Routen in Südtirol zu sammeln.

Route mit Vorbildcharakter: Die Weinviertel DAC-Radroute

Die Weinviertel DAC-Radroute zeigt, wie ein thematisches Raderlebnis rund um Wein, Genuss und regionale Identität erfolgreich umgesetzt werden kann. Besonders beeindruckt hat die hochwertige Aufbereitung des Angebots: Gäste erhalten Orientierung entlang der Strecke wie auch spannende Einblicke in die Weinregion, ihre Besonderheiten und die Menschen dahinter.

Außerdem fiel die konsequente Qualitätsorientierung und die Zugänglichkeit auf: Für die Einbindung von Sehenswürdigkeiten, Kellereien, Winzerbetrieben, Gastronomiebetrieben und Unterkünften bestehen klare Kriterien. Das Angebot ist sowohl für individuelle Gäste als auch als geführtes, buchbares Erlebnis sehr gut zugänglich. Unterstützt wird dies durch eine professionelle Vermarktung, die das Produkt einfach auffindbar und verständlich macht.

Die Exkursion bestätigte dabei auch das zentrale Prinzip von „weniger ist mehr“: Nicht die Anzahl der Stationen entscheidet über die Qualität eines Angebots, sondern die Sorgfalt, mit der Inhalte ausgewählt und erlebbar gemacht werden.

„Im Weinviertel haben wir gesehen, dass Weinrad-Routen erfolgreich sind, wenn Qualität, Klarheit in der Kommunikation und Zusammenarbeit konsequent zusammengedacht werden.“
Ulrike Pfeifhofer
IDM Südtirol – Radtourismus

Gerade diese Aspekte sind auch für die Entwicklung der Weinrad-Routen entlang der Südtiroler Weinstraße von großer Bedeutung. Die Exkursion bot daher wertvolle Einblicke für die Ausarbeitung eigener Qualitätskriterien und die Weiterentwicklung des Angebots in Südtirol.

Funktionierende Routen brauchen starke Partner

Ein zentrales Learning der Exkursion war die Bedeutung einer frühzeitigen Einbindung aller relevanten Akteur:innen. Dazu zählen insbesondere Weinbäuerinnen und Weinbauern, Gemeinden, touristische Organisationen sowie Betriebe entlang der Strecke.

Es wurde deutlich, dass von einer Weinrad-Route nicht nur die Weinwirtschaft profitieren kann. Auch Dörfer und Orte entlang der Strecke schaffen zusätzliche Berührungspunkte mit Gästen und können wirtschaftlichen Mehrwert generieren, wenn sie aktiv in das Gesamtkonzept eingebunden werden.

Der starke Zusammenhalt innerhalb der Reisegruppe und die gemeinsame Motivation, ein hochwertiges Produkt für Südtirol zu entwickeln, waren während der gesamten Exkursion spürbar. „Die Gespräche und Eindrücke vor Ort haben bestätigt, dass erfolgreiche Projekte bei guten Ideen beginnen, ihre Wirkung aber erst dann entfalten, wenn Menschen dieselbe Vision teilen und gemeinsam an ihrer Umsetzung arbeiten.“, so Ulrike.

Authentizität ist ein Muss

Neben Infrastruktur und Angebotsgestaltung spielt vor allem der persönliche Kontakt eine entscheidende Rolle. Sowohl bei der Entwicklung eines Produkts als auch im späteren Gästeerlebnis entstehen die wertvollsten Momente, wenn Menschen miteinander ins Gespräch kommen.

Ein zusätzlicher Abstecher in die Wachau unterstrich diese Erkenntnis: Im Austausch mit dem Winzer wurde deutlich, wie wichtig persönliche Präsenz, Gastfreundschaft und Authentizität für den Erfolg eines Angebots sind. Gerade internationale Gäste schätzen den direkten Kontakt zu den Menschen, die hinter einem Produkt stehen. Solche Begegnungen stärken die Bindung zur Region und bleiben oft über den eigentlichen Besuch hinaus in Erinnerung.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass ein attraktives Weinrad-Erlebnis mit weiterführenden Themen angereichert werden kann: Kultur, Kunst, Architektur oder regionale Produkte bieten zusätzliche Anknüpfungspunkte. Entscheidend bleibt jedoch, dass alles authentisch zur Region passt und einen echten Bezug zum Lebensraum herstellt.

Inspiration für die Südtiroler Weinstraße

Die Exkursion ins Weinviertel hat gezeigt, dass erfolgreiche Weinrad-Routen ein stimmiges Gesamterlebnis sein können: Anstatt einer Aneinanderreihung von Radwegen und Einkehrmöglichkeiten sind sie eine ausgewogene Mischung aus Landschaftserlebnis, kulinarischem Genuss, die Erkundung regionaler Kultur und persönlichen Begegnungen.

Außerdem wurde den Teilnehmenden klar, dass erfolgreiche Weinrad-Routen sowohl für Gäste als auch für Einheimische attraktiv sein müssen. Erst wenn beide Zielgruppen einen Mehrwert darin erkennen, entsteht ein Angebot, das langfristig funktioniert und von der Region gepflegt wird.

Für die Entwicklung der Weinrad-Routen entlang der Südtiroler Weinstraße liefert das Weinviertel damit wertvolle Impulse. Ulrike fasst die Meinung aller Beteiligten zusammen: „Die größte Stärke eines solchen Projekts liegt vor allem in der Zusammenarbeit jener Menschen, die das Erlebnis gemeinsam gestalten. Und es so unverwechselbar und perspektivenreich machen.“

Learnings:

  • Erfolgreiche Weinrad-Routen basieren auf klar definierten Themen und einer durchgängigen inhaltlichen Struktur.
  • Qualität entsteht durch durchgängige Kriterien für alle beteiligten Partnerbetriebe – nicht durch die Anzahl der Stationen.
  • Frühzeitige Einbindung von Winzer:innen, Gemeinden und Betrieben stärkt Akzeptanz und Umsetzungskraft.
  • Persönliche Begegnungen und Authentizität sind zentrale Faktoren für ein nachhaltiges Gästeerlebnis.
  • Ein erfolgreiches Produkt verbindet Infrastruktur, Inhalt und emotionale Erlebbarkeit zu einem Gesamtbild.

Wie wichtig ist für dich der Blick über die Grenzen hinaus, wenn es um die Entwicklung neuer Tourismusprodukte geht? Und welche Rolle spielen aus deiner Sicht Qualität und Zusammenarbeit für erfolgreiche Routen? Teile deine Meinung gerne in den Kommentaren.

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